Von Paarverträgen und scheiternden Beziehungen

Therapeutin Zivit Abramson aus Tel Aviv beleuchtet menschliche Interaktionen auf Grundlage der Individualpsychologie von Alfred Adler

Der Mensch ist nicht dafür geschaffen, allein zu leben, das erkannte bereits der griechische Philosoph Aristoteles vor über 2000 Jahren. Er braucht den Kontakt zu einer Gemeinschaft nicht nur aus praktischen Gründen, um zu überleben, sondern auch wegen der emotionalen und körperlichen Bindungen, die essenziell für das menschliche Wohlbefinden sind. Besonders die Intimität einer Paarbeziehung kann einer Person das Gefühl von höchster Wertschätzung und bedingungsloser Akzeptanz vermitteln. Und genau darum geht es in Alfred Adlers Individualpsychologie: Alle Handlungen des Menschen zielen darauf ab, für sich den richtigen Platz in der Gesellschaft beziehungsweise der eigenen Beziehung zu finden und das benötigte Selbstwertgefühl daraus zu ziehen, um sich zugehörig zu fühlen.

Nicht immer führen die getroffenen Entscheidungen und die an den Tag gelegten Verhaltensweisen zum gewünschten Erfolg, die Beziehung zum Partner verschlechtert sich, das eigene Selbstwertgefühl leidet, die Probleme nehmen überhand und schaffen Raum für Unzufriedenheit und Unglück. Liebeskummer, Trennungen, Affären und Schmerz sind die Folgen. Unterschiedliche Szenarien, von denen mindestens eines die meisten Menschen bereits einmal erlebt haben.

Die promovierte Psychologin und Therapeutin Zivit Abramson, die jahrelang Mitarbeiterin am Adler-Institut in Tel Aviv war und deren Beratungsansatz auf den Grundlagen der von Alfred Adler entworfenen Individualpsychologie fußt, versucht, derartigen negativen Entwicklungen entgegenzuwirken. In ihrem Buch Partnerschaft lernen, das vor einigen Jahren bereits auf Hebräisch und Englisch erschienen ist, setzt sie sich anhand verschiedenster Beispiele mit den realen Schwierigkeiten, die in einer Partnerschaft auftreten können, auseinander, beleuchtet diese aus ihrer professionellen Perspektive heraus und gibt Anregungen zur Verbesserung der Situation. Basis dafür sind Leserbriefe, die die Autorin in ihrer Zeit als Beratungskolumnistin der Zeitschrift Jedi’ot Acharonot erhalten und beantwortet hat. Auf diese Art erhalten die Fälle zusätzlich Brisanz, da sie direkt aus dem Leben gegriffen und damit vollkommen authentisch sind.

In beeindruckender Weise schafft es die Autorin, selbst sehr kurze – auf den ersten Blick recht aussagearme – an sie gerichtete Gesuche psychologisch genau zu analysieren und die Kernpunkte daraus hervorzuarbeiten. Sie will nie belehren, besser wissen oder jemandem etwas aufzwingen. Mit Verständnis und gleichzeitig schonungsloser Offenheit wendet sich Zivit Abramsom an die Ratsuchenden, zeigt ihnen mehrere Optionen auf und gibt Denkanstöße, jedoch ohne jemals die Realität aus den Augen zu verlieren. Mit nachvollziehbaren und verständlichen Aussagen, die keinerlei Fachchinesisch bedürfen, um zu überzeugen, wird der Leser direkt angesprochen und zum eigenen Nachdenken und Handeln angeregt. Auch für Menschen, die keine Beziehunsgprobleme haben, finden sich interessante psychologische Aspekte und Anregungen im Buch, um Schwierigkeiten vielleicht gar nicht erst entstehen zu lassen.

Partnerschaft lernen – ein Beziehungsratgeber aus einer völlig anderen Perspektive, auf Basis von realitätsnahen, authentischen Problemen echter Menschen und geschrieben von einer Psychologin, die seit mehreren Jahrzehnten im Fachbereich Familien- und Paartherapie tätig ist und deren Kompetenzen unbestritten sind.

Bibliografische Angaben:
Zivit Abramson
Partnerschaft lernen
ISBN: 978-3-96074-023-0
Taschenbuch, 520 Seiten, 19,90 Euro

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Jagen kann tatsächlich tödlich sein!

Das Morden in Soest geht weiter. Martina Meier präsentiert zweiten Band ihrer Krimireihe

Wie im bereits vorliegenden Buch Bruder Jakob, das zeitlich eigentlich nach Vaterfreuden angesiedelt ist, steht auch in diesem Fall die gutbürgerliche, scheinbar rechtschaffene Gesellschaft im beschaulichen Städtchen Soest und seiner Umgebung im Mittelpunkt. Martina Meier blickt hinter die Fassade von reichen Vorzeigefamilien, launigen Jagdgefährten und konservativen Dorfbewohnern. Und sie deckt sie auf – die Geheimnisse und Abgründe, die in jeder Figur lauern und der Realität sehr nahe kommen.

Robert König, wohlhabender Reiterhofbesitzer aus Berlingsen, wird sterbend in der Waldhütte seines Jagdvereins gefunden. Schnell ist klar, dass es sich bei der Ursache für seinen Tod nicht um einen Unfall handeln kann, sondern dass der dorfbekannte Lebemann und Frauenheld einem Mordanschlag zum Opfer gefallen ist. Das ruft die Dortmunder Kommissare Lena Wolter und Gregor Breier auf den Plan, die mit Intelligenz und Einfühlungsvermögen immer tiefer eintauchen in die verborgenen Geheimnisse der Dorfgemeinschaft und die psychischen Abgründe des Ermordeten, der besonders bei manchen Frauen nicht sehr wohlgelitten war. Und wie sich bald herausstellt, könnte genau das ihm schließlich zum Verhängnis geworden sein.

Auch in diesem Fall ermitteln die jungen Beamten Lena Wolter und Gregor Breier, deren Liebesbeziehung hier ihren Anfang nimmt. So wird die private Geschichte der beiden sympathischen Hauptcharaktere, die für den Leser das verbindende Element der Geschehnisse darstellen und diese stringent und nachvollziehbar zusammenfassen, in einem Nebenhandlungsstrang auf unaufdringliche und dezente Weise abgerundet.

Wieder einmal gelingt es Martina Meier, einen spannenden Kriminalfall mit einer Art Gesellschaftsstudie zu verbinden und die Eigenheiten des westfälischen Gemüts sowie die für die Region typischen Umgangsformen gekonnt herauszuarbeiten. Ebenso wie es im literarisch umgesetzten Berlingsen zugeht, könnten die Dinge auch im realen Berlingsen geschehen. Und genau das ist es, was die Soest-Krimis von Martina Meier ausmacht: authentische, realitätsnahe Figuren, ausgestattet mit einer guten Portion Heimatverbundenheit, die menschliche Schwächen aufweisen und ebenjenen nicht entkommen können.

Bibliografische Angaben:
Martina Meier
Vaterfreuden – Ein Soest-Krimi
ISBN: 978-3-96074-026-1
Taschenbuch, 130 Seiten, 10,70 Euro

Als eBook bei Amazon erhältlich.

 

Soest-Krimi: Gesellschaftsstudie mit psychologischem Tiefgang

Je mehr Schein, desto weniger Sein: Autorin und Journalistin Martina Meier gibt Soest-Krimi „Bruder Jakob“ neu heraus

Soest – mittelalterliche Hansestadt mit über 1000-jähriger Geschichte in Nordrhein-Westfalen und geschmückt von zahlreichen hübschen Fachwerkhäusern. Ein beschauliches Örtchen, in dem man einander kennt und kriminelle Machenschaften kaum vorstellbar sind. Geschweige denn heimtückischer Mord! Doch genau dieses Fleckchen hat Martina Meier, die viele Jahre in Soest gelebt hat, als Mittelpunkt ihrer Regionalkrimireihe gewählt. Denn am spannendsten sind doch die Fälle, die Tatbeteiligte, Motive und Abgründe zutage fördern, mit denen niemals jemand gerechnet hätte …

Bereits 2005 entstand Bruder Jakob – Ein Soest-Krimi für eine literarische Krimiausschreibung. Nun liegt der Roman in Neubearbeitung vor und erscheint im eigenen Verlag der Autorin beziehungsweise Verlegerin Martina Meier. Er folgt chronologisch dem ersten Band der Reihe Vaterfreuden, ist jedoch lange vor diesem erstmals publiziert worden.

Auf einem Erdbeerfeld nahe Körbecke wird ein Toter namens Max Mühlenberg gefunden, was die Dortmunder Mordermittler Lena Wolter und Gregor Breier auf den Plan ruft. Schnell stellt sich jedoch heraus, dass die Todesursache natürlichen Ursprungs war. Die Kommissare wollen den Fall schon zu den Akten legen, als eine Vermisstenmeldung aus Polen ihre Aufmerksamkeit erregt. Jakob Bobinski, der regelmäßig für Franz Mühlenberg, den unsympathischen Vater des toten Max, schwarzgearbeitet hat, wird von seiner schwangeren Frau verzweifelt gesucht. Noch während die Beamten überlegen, ob es möglicherweise eine Verbindung zwischen den Fällen gibt, taucht eine Leiche im sauerländischen Westenfeld auf, und zwar inmitten des Jagdreviers von Franz Mühlenberg. Nun gibt es keinen Zweifel mehr, irgendetwas hat der reiche Saubermann zu verbergen. Und je tiefer die Ermittler graben, desto zwielichtiger werden die Unternehmungen, in die der strenge Patriarch verwickelt zu sein scheint …

Der Autorin gelingt es mit ihrem Roman nicht nur, einen spannenden, komplexen Kriminalfall zu entwicklen, sondern auch, eine Art Gesellschaftsstudie mit psychologischem Tiefgang darzustellen. Motive, Charaktere, Aktionen und Reaktionen der Figuren sind intelligent und realistisch miteinander verwoben und erlauben es, Ereignisse und Entscheidungen auf emotionaler Ebene nachzuvollziehen, auch wenn diese oftmals von einem moralischen Standpunkt aus betrachtet nicht gutzuheißen sind.

Durch die pointierten Beschreibungen und die direkten Kommentare, die Martina Meier den beiden jungen und engagierten Kommissaren während ihrer Diskussionen über den Fall in den Mund legt, werden Sympathien und Antipathien nicht nur innerhalb der Geschichte deutlich, auch der Leser kann sich seines Mitgefühls oder seiner Abneigung gegenüber bestimmten Figuren nicht erwehren. Vor allem die Kommissare nehmen den Leser durch ihre offene Art und ihre eigene dezent erzählte Liebesgeschichte gefangen.

Ein Buch, das einiges bietet: einen spannenden, komplexen Kriminalfall, eine zarte Liebesgeschichte und einen Täter, der jedermanns Nachbar sein könnte, ohne dass irgendjemand etwas von seinem Doppelleben ahnen würde.

Bibliografische Angaben:
Martina Meier
Bruder Jakob – Ein Soest-Krimi
ISBN: 978-3-96074-025-4
Taschenbuch, 152 Seiten, 10,90 Euro

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Die finstersten Abgründe der Seele

Autorin Lisa Richter aus Paderborn veröffentlicht düsteren Psychothriller

Folter, Vergewaltigung, Mord … Es existieren unzählige grausame Arten von Verbrechen auf der Welt. Gewalt in allen möglichen und bisweilen unvorstellbaren Facetten. Erschüttert und zugleich fasziniert beobachten wir, welch brutale Taten manche Menschen zu begehen imstande sind. Sie fügen ihren Opfern quälende Schmerzen zu, ergötzen sich an ihrer Pein. Eine Bösartigkeit, die den finstersten Abgründen der Seele entspringt, hat von ihnen Besitz ergriffen. Und obwohl es oft nachvollziehbare psychologische Gründe dafür gibt, warum Menschen andere verletzen, dürfen diese nie eine Entschuldigung sein. Es ist, wie die Autorin gleich zu Beginn ihres Romans Mahatma Gandhi zitiert: „Auge um Auge und die ganze Welt wird blind sein.“

Es ist eine düstere Thematik, mit der sich die 20-jährige Autorin in ihrem ersten Kriminalroman auseinandersetzt. Es geht um physische und psychische Gewalt sowie brutalen Mord. Und um die Frage, wie weit zu gehen man bereit ist, wenn der eigene Bruder in tödlicher Gefahr schwebt und man selbst dabei nur verlieren kann.

In Jüterbog, einer Kleinstadt in Brandenburg, verschwinden seit mehreren Wochen immer wieder nacheinander Geschwisterpaare, zuerst der Bruder, wenige Tage später die Schweter. Niemand weiß, was mit den Vermissten passiert ist, doch bei der Polizei befürchtet man das Schlimmste. Die Angst geht um in der kleinen Stadt. Auch die 18-jährige Lorena macht sich Sorgen um ihren jüngeren Bruder David, der diese allerdings abtut. Doch dann schlägt das Schicksal zu und David wird am helllichten Tag entführt, in einen Keller geschleppt und von zwei Männern gefoltert. Lorena weiß, dass sie die Nächste sein wird. Und als die Peiniger ihres Bruders sie zu sich locken, lässt sie sich bereitwillig darauf ein, um David und sich vielleicht doch noch retten zu können.

Auf schonungslose Weise erzählt die Autorin Lisa Richter, wie die beiden Täter den Protagonisten David physisch und psychisch quälen. Die Geschichte wird aus dessen Perspektive in Ich-Form erzählt und gewinnt dadurch nur noch mehr an Authentizität und Intensität. Die Schmerzen, die Ängste, die Qualen, die der Junge durchlebt, werden so anschaulich beschrieben, dass beim Leser der Eindruck entsteht, mit dem Opfer gemeinsam im Folterkeller durch die Hölle zu gehen.

Nachdem sie ihren Debütliebesroman Engel haben grüne Augen veröffentlicht hat, befasst sich die Autorin Lisa Richter nun mit der dunklen Seite des Lebens, durchleuchtet abgründiges menschliches Verhalten. Ihre Botschaft: Hass und Rache lohnen sich nicht. Menschen müssen einander vertrauen und Verständnis füreinander aufbringen, nur so kann die unnötige Gewalt, die auf der Welt existiert, eingedämmt werden.

Bibliografische Angaben:
Lisa Richter
Geschwistermörder
ISBN: 978-3-96074-018-6
Taschenbuch, 142 Seiten, 10,90 Euro

Als eBook bei Amazon erhältlich.

 

Lehrreicher Zoobesuch aus ungewöhnlicher Perspektive

Haussperlinge sind gesellige und soziale Vögel, in lockeren Kolonien besiedeln sie Lebensräume in der Nähe menschlicher Gemeinschaften oder Tierhaltungen wie zum Beispiel Zoos. Denn hier finden sie sowohl ausreichend Nahrung als auch Nistplätze. Gemeinsam frönen sie ihren für das menschliche Ohr unmelodisch klingenden Unterhaltungen, nehmen ausgiebige Staubbäder oder kümmern sich liebevoll um die Aufzucht ihrer Jungen. Frech und neugierig begegnen Spatzen den Anforderungen ihres Alltags und sind damit die perfekten Figuren, um kleine Leser auf eine lehrreiche Reise durch den Zoo mitzunehmen.

 Wissenschaftlich fundiert und doch kindgerecht beschreibt die Autorin, die selbst seit vielen Jahren als Tierpflegerin arbeitet, zunächst das typische Nist- und Brutverhalten eines Spatzenpaares, das unter dem Dach des Ziegenstalls im Zoo sein Nest hat und wie unter diesen Tieren üblich seit mehreren Jahren monogam zusammenlebt. Nachdem die vier Sperlingskinder Heiner, Lisa, Moni und Tine geschlüpft sind, entwickeln sie sich unter der Fürsorge ihrer Eltern prächtig und wollen bald, getrieben von ihrer Neugier, die Welt um sich herum entdecken. Gemeinsam mit ihrem kundigen Opa machen sie sich auf die große Reise durch den Zoo, lernen allerlei Tierarten, deren Verhaltensweisen und Merkmale kennen. Ob Uhus, Faultiere, Kängurus oder Giraffen, Opa Gustav weiß über alle etwas Spannendes zu berichten und versteht es, seinen Enkelkindern die Eigenheiten der verschiedenen Geschöpfe nahezubringen. Und ganz nebenbei lernen die kleinen Spatzen auch noch etwas über ihre eigene Art, vor welchen Gefahren sie sich in Acht nehmen müssen und welche Abläufe ihr Vogelleben von nun an bestimmen werden.

Inspiriert von den munteren und neugierigen Sperlingen, die sie tagtäglich bei ihrer Arbeit im Magdeburger Zoo beobachten kann, wählte Ellen Driechciarz ebenjene findigen Gesellen als Hauptfiguren ihres Buches. Sie stehen beispielhaft für interessierte Kinder, die voller Staunen in Begleitung eines Erwachsenen die exotische Zookulisse erkunden und dabei unzählige Fragen in ihrem Kopf sammeln. Anhand wissenschaftlicher Fakten werden diese beantwortet, ohne jedoch die Intention der spielerischen und kindgerechten Wissensvermittung außer Acht zu lassen. Zudem macht das Buch auf die sich stetig verschlimmernde Lage der Haussperlinge aufmerksam, die außerhalb von Zoos durch die fortschreitende Urbanisierung und den Verlust immer mehr Grünflächen zusehends an Lebensraum einbüßen.

Spannende Abenteuer und liebenswerte Figuren, gekoppelt mit lehrreichen Fakten und fantasievollen Geschichten fördern nicht nur das Umwelbewusstsein der großen und kleinen Leser, sondern bieten zudem einen faszinierenden Einblick in die Welt einheimischer und exotischer Tiere. All diese Faktoren zusammengenommen machen „Was die Spatzen im Zoo von den Dächern pfeifen“ zu einem ganz besonderen Kinderbuch und lassen den nächsten Zoobesuch sicher zu einem Erlebnis werden.

 

Bibliografische Angaben:
Ellen Driechciarz
Was die Spatzen im Zoo von den Dächern pfeifen
ISBN: 978-3-86196-742-2
Taschenbuch, 176 Seiten, mit zahlreichen farbigen Fotos, 16,90 Euro

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Die Geschichte eines Antihelden – Kalt ist die Welt

Sie sind in jeder guten Geschichte unentbehrlich und heben die Tugenden des Protagonisten nur noch deutlicher hervor: die Antihelden, die Schurken, die sogenannten „Bösen“. Sie sind zwielichtig, unsympathisch und kennen häufig keine Skrupel. Für den wahren Charakter des Antagonisten und seine Beweggründe interessiert sich zumeist niemand, denn seine Hauptaufgabe ist es, als Gegenentwurf zum Helden ebenjenen glänzen zu lassen. Die Autorin Selina Lux aus Berlin hingegen setzt genau an diesem Punkt an und macht einen Halunken zum Mittelpunkt ihrer Geschichte.

Aron ist ein Waisenjunge in der mittelalterlichen Stadt Felsburg. Verstoßen aus dem überfüllten Waisenhaus, macht er sich gemeinsam mit seiner Gefährtin Leana auf, um sich ein neues Leben aufzubauen. Doch ehrliche Arbeit ist für arme Kinder, wie sie es sind, schwer zu bekommen und der Winter steht vor der Tür. Kälte und Hunger zwingen Aron des Öfteren dazu, einen illegalen Weg einzschlagen, um zu überleben. Seine sarkastische und bisweilen recht unverschämte Art erschweren es ihm zusätzlich, ein neues Zuhause und eine bezahlte Anstellung zu finden. Schließlich hat er jedoch Glück, ergattert eine Arbeit als Schweinehirte und darf in einer von der Stadt zur Verfügung gestellten Unterkunft nächtigen. Sein Schicksal scheint sich zum Besseren zu wenden, aber die Vergangenheit holt Aron gnadenlos ein, und zwar mit einer Wucht, die ihn völlig aus der Bahn wirft …

Aron ist ein klassischer Antiheld: erfolglos, perspektivlos, verzweifelt, aber auch gewitzt, hinterlistig und opportunistisch. Und dennoch schafft es die Autorin, ihre Titelfigur, die ihre Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt, sympathisch wirken zu lassen. Der Leser fühlt mit dem armen Waisenjungen mit, der sich bei Kälte, Schnee und Eis auf den Straßen der Stadt durchschlägt, der sich um seine Freundin Leana sorgt und der stehlen muss, um nicht zu verhungern. Man taucht ein in die seelischen Tiefen Arons und verfolgt die nicht immer moralisch einwandfreien Entscheidungen, die er trifft, mit dem Gefühl, ihn verstehen zu können.

In anderen Geschichten wäre Aron ein Bösewicht, ein Gegenspieler für den Protagonisten, den man als großmäuligen, unsympathischen Halunken abtäte, und genau als solchen hatte ihn die Autorin ursprünglich auch konzipiert. Doch als sie merkte, wie viel der hinterhältige Dieb mit der starken Persönlichkeit zu bieten und zu erzählen hatte, gab sie ihm den Raum für ein eigenes Buch.

Kalt ist die Nacht ist ein vielschichtiger, spannender und gnadenlos authentischer Roman, der sich mit den dunklen Seiten eines Menschen auseinandersetzt, ohne zu urteilen oder dem Leser eine vorgefertigte Meinung aufoktroyieren zu wollen, und der einen Antihelden und seine charakterlichen Unzulänglichkeiten in den Vordergrund rückt. Ein interessantes Konzept, denn meist sind Zwielichtigkeit und Ambivalenz die spannenderen Charakterzüge und lassen fiktive Figuren erst richtig menschlich wirken.

Bibliografische Angaben:
Selina Lux
Kalt ist die Welt
ISBN: 978-3-86196-756-9
Taschenbuch, 192 Seiten

Als eBook bei Amazon erhältlich.

Auch Schutzengel fangen klein an

Sandra Melcher aus Fulda und ihr himmlisches Kinderbuch über die Freundschaft

Knubbel ist ein junger Engel mit einer Vorliebe für Süßigkeiten, der mit seinen Eltern im Himmelreich wohnt und dort zur Schule geht, um jene Fähigkeiten zu erlernen, die er für seine Zukunft braucht und die darüber entscheiden, welche Art Engel er einmal sein wird. Deshalb lernt er, Zaubertränke zu brauen wie die Liebesengel, Spielzeuge zusammenzubauen wie die Weihnachtsengel und natürlich das Fliegen. Am liebsten wäre Knubbel ein Schutzengel wie seine Eltern, die seine großen Vorbilder und meisterhafte Flieger sind. Der kleine Engel hat nur ein Problem: Er hat Höhenangst und deswegen furchtbaren Bammel vor der ersten Flugstunde.

Parallel zur Geschichte Knubbels im Himmel gibt es einen Handlungsstrang, der auf der Erde spielt und den Jungen Lukas, seine Schwester Emma und ihre sich ständig streitenden Eltern in den Mittelpunkt rückt. Als die Eltern auch noch einen Autounfall haben und die ungeliebte Tante auf die Kinder aufpassen soll, laufen die Geschwister davon und geraten so in große Gefahr. Bis sich Lukas ein kleiner Engel offenbart …

Die Themen, die das zauberhafte Kinderbuch anspricht, sind vielfältig. Es geht darum, Ängste zu überwinden, seine eigenen Schwächen zu akzeptieren, anderen, ohne eine Gegenleistung zu erwarten, zu helfen und den Wert von Freundschaft zu erkennen. Auf eindrückliche, dennoch kindgerechte, spielerische und niemals belehrende Art und Weise erzählt die Autorin eine Geschichte, in der die Figuren vor schier unüberwindlichen Problemen zu stehen scheinen, die jedoch gelöst werden können, indem man an sich selbst glaubt und auf seine Freunde vertraut. Die Stärke, die einer jeden Person innewohnt, zeigt sich häufig erst in den ungewöhnlichsten Situationen und kann Ungeahntes bewirken.

Man muss über sich selbst hinauswachsen, um sich weiterzuentwickeln und sich selbst zu erkennen, so lautet eine der Kernaussagen des Buches. Und am leichtesten schafft man das mithilfe guter Freunde und bedingungsloser Unterstützung. Dann ist jedes Hindernis zu überwinden, manchmal sogar so etwas wie Höhenangst.

Knubbels erste Flugstunde – ein fantasievolles Kinderbuch mit zauberhaften Charakteren, viel Charme, Humor und Lebensweisheit. Eine wunderbare Geschichte für kleine Leser, doch auch die großen werden beim Vorlesen ihre Freude daran haben.

Bibliografische Angaben:
Sandra Melcher
Knubbels erste Flugstunde
ISBN: 978-3-86196-743-9
Taschenbuch, 72 Seiten, 9,20 Euro

Bei Amazon erhältlich.

Irische Familiensaga – ein wundervoller Debütroman

Familie – Fluch oder Segen? Dieser Frage geht Anna-Christin Riemer aus Mainz in ihrem ersten Roman nach

Niemand kann seine Wurzeln leugnen, niemand die Bindung an die eigene Familie komplett kappen. Denn sie ist es, was einen Menschen prägt und zu dem macht, was er ist, im Positiven wie im Negativen. Kaum eine Beziehung ist intensiver, vielschichtiger und bisweilen auch ambivalenter als die zu den engsten Familienangehörigen. Man ist auf eine Art verbunden, die kein Außenstehender nachzuvollziehen vermag. Und genau diese Art der familiären Verbundenheit mit all ihren Konsequenzen macht die Autorin zum Hauptthema ihres Romans.

Morgan O’Malley aus Boston ist ein ungewöhnliches Mädchen: Sie wird in regelmäßigen Abständen von schmerzhaften und schrecklichen Visionen heimgesucht, in denen immer wieder die Gesichter längst verstorbener Vorfahren auftauchen. Vor allem das Bild von Fay O’Malley, die 1846 ermordet aufgefunden und deren Tod bis zum heutigen Tag nicht aufgeklärt wurde, geistert immer wieder durch ihren Kopf.

Als eine neuerliche Vision offenbart, dass es eine Möglichkeit gibt, Morgan von diesem quälenden Fluch zu erlösen, zögert ihre ältere Schwester Alex keine Sekunde und reist mit ihr und dem älteren Bruder der beiden nach Irland, wo sie die Lösung des Rätsels zu finden hofft. In Mortingdown East, dem Stammsitz der Familie und Ort, an dem alles begonnen hat, decken die drei Geschwister ein wohlbehütetes dunkles Geheimnis nach dem anderen auf und geraten schließlich selbst immer tiefer hinein in den Strudel aus vermeintlich längst vergessenen, grauenhaften Schicksalen und ihrer eigenen düsteren Familiengeschichte.

Doch die drei Geschwister halten unbeirrt zusammen. Um die Jüngste von dem Fluch zu erlösen, der sie quält, sind sie alle bereit, bis an ihre Grenzen zu gehen, auch wenn sie einander manchmal auf die Nerven gehen oder sich streiten. Wie es in einer Familie eben oft an der Tagesordnung ist. Und genau das ist die Intention der Autorin: zu zeigen, dass das unverbrüchliche Geschwisterband stärker ist als alle noch so furchtbaren Umstände und Streiten dazugehört, wenn danach auch immer eine Versöhnung folgt.

Mortingdown East ist allerdings nicht nur ein Familienroman, er ist gekoppelt mit Elementen aus den Genres Krimi, Fantasy, Psychothriller und Roman mit einer Prise Humor. Eine Mischung, die den Leser auf vielfältige Weise zu begeistern vermag. Durch die in Ich-Form geschriebene Geschichte aus Sicht der älteren Schwester Alex wirken die Figuren authentisch und ihre Eigenheiten werden stets mit einem kleinen Augenzwinkern geschildert.

Spannend, komplex und wohldurchdacht hat Anna-Christin Riemer ihren Debütroman aufgebaut – und bis zum Schluss darf mitgefiebert werden, ob es nun tatsächlich gelingt, Morgan von dem Fluch der Visionen zu befreien.

Bibliografische Angaben:
Anna-Christin Riemer
Mortingdown East
ISBN: 978-3-96074-027-8
Taschenbuch, 240 Seiten, 13,40 Euro

Als eBook bei Amazon erhältlich.

Neue Romanreihe mitgestalten

Liebe unter italienischer Sonne erleben, dem eigenen Schicksal eine Wende geben, den Neuanfang wagen oder eine alte Liebe zurückerobern – davon erzählen unsere kurzweiligen Liebesgeschichten, die wir künftig alle vier Wochen unter dem Titel „Un Amore Italiano“ als eBook veröffentlichen.

Die Romanreihe mitgestalten:

Sie sind Autorin oder Autor und möchten sich mit Ihren Kurzromanen (ca 40 – 50 DIN A 4 Seiten – 30 Zeilen, 60 Anschläge) an dieser Buchreihe beteiligen? Dann freuen wir uns auf Ihre Zuschriften.

Natürlich muss Ihr Kurzroman in Italien spielen, sich um das Thema Liebe und Partnerschaft drehen, darf keine pornografischen Inhalte enthalten und sollte auf jeden Fall ein Happy End haben. Wenn wir Ihren Roman für unsere Reihe annehmen, erhalten Sie von uns einen Autorenvertrag mit den üblichen Konditionen. Sie möchten Ihren Liebesroman unter Pseudonym veröffentlichen? Kein Problem – auch Liza Moriani, die Autorin unserer ersten drei Romane, hat ein solches für ihre Liebesromane gewählt.

Weitere Informationen gibt es hier.

Unser Dankeschön für unsere Anthologie-AutorInnen

Seit vielen Jahren bieten Papierfresserchens MTM- und der Herzsprung-Verlag Anthologieprojekte an. Wir haben das Wunder-Weihnachtsland erobert, sind mit Nassbert, dem Wannenwichtel, abgetaucht, haben Verbrecher gejagt und Ostereier gesucht. Tolle Geschichten von tollen AutorInnen, bei denen wir uns nun bedanken möchten:

Als kleines Dankeschön bieten wie diesen AutorInnen nun an, alle bei uns veröffentlichten Kurzgeschichten, Erzählungen, Märchen und Gedichte in einem persönlichen Sammelband – einer ganz persönlichen Anthologie als Taschenbuch zu veröffentlichen. Mit ISBN, Autorenvertrag und über den Buchhandel bestellbar.

Wir können zusätzlich zu den beim Papierfresserchen oder Herzsprung-Verlag veröffentlichten Texten auch gerne noch unveröffentlichte Texte in diesen Sammelband aufnehmen. Etwa zeitgleich zur Veröffentlichung der Printausgabe erscheint auch das eBook zu diesem persönlichen Buch.

Kosten entstehen dafür keine, auch muss keine bestimmte Anzahl an Bücher abgenommen werden und vom ersten Buch an, das der/die AutorIn für sich selbst erwerben möchten, gewähren wir den vertraglich vereinbarten Autorenrabatt.

Ach ja, und hier geht es zu den neuen Anthologie-Ausschreibungen.

Hamburg1 stellt Song über unseren Herrn Pfefferminzky vor!

Kurz vor der Veröffentlichung des zweiten Bandes rund um den Herrn Pfefferminzky – einen ganz besonderen Hasen – möchten wir noch schnell verraten, dass dem feinen Mann ein eigener Song gewidmet wurde. Mal reinhören lohnt sich, denn man erfährt auch über das Projekt und C. T. Mehrhof eine ganze Menge:

 

Hamburg1 stellt Pfefferminzky-Song vor

Und nun gibt es den ersten Band übrigens auch als eBook bei Amazon.

 

Aali Aal – ein Buch für die Migrationsarbeit in Kindergarten und Schule

Sozialpädagogin Julia Lüthi nimmt Kampf gegen Vorurteile auf

Jeder hat sie, denn sie sind zutiefst menschlich: vorgefertigte Meinungen über Menschen, die man eigentlich gar nicht kennt. Und das nur, weil sie anders aussehen. Doch das Problem ist nicht die Existenz von Vorurteilen, sondern dass sie sehr oft als wahrhaft und gegeben angenommen werden. Zu wissen, dass derartige Vorbehalte in uns existieren, und diese zu bekämpfen, ist der wichtigste Schritt auf dem Weg zu Toleranz, Akzeptanz und möglicherweise sogar wunderbaren Freundschaften, die daraus entstehen können.

Ebendieses Thema greift Julia Lüthi in ihrem Kinderbuch Aali Aal im Kindergarten auf. Aali Aal und seine Familie kommen von weit her, sie mussten ihr sicheres Zuhause verlassen, durchquerten das große Meer und fanden schließlich einen passenden Platz, an dem sie sich niederließen. Doch hier gibt es keine weiteren Aale und so ist der kleine Aali der Einzige seiner Art im Kindergarten. Von den anderen Fischkindern wegen seines unbekannten Aussehens kritisch beäugt, verbringt er den ersten Tag einsam und isoliert. Doch schließlich fasst sich ein kleines Fischlein ein Herz und spricht den fremdartigen Neuankömmling an. Und siehe da: Trotz oder gerade wegen der spannenden Unterschiede entsteht eine tiefe Freundschaft zwischen den beiden Fischkindern.

Ein Kinderbuch, dessen Thema aktueller nicht sein könnte. Wie geht man mit Fremden und Andersartigkeit um? Die Antwort: reden. Denn nur durch Gespräche werden Vorurteile abgebaut, nur so wird erkannt, wie viele Ähnlichkeiten trotz allem bestehen und wie spannend die tatsächlichen Unterschiede sein können. Dass man voneinander lernen und profitieren kann.

Julia Lüthi führt mit ihrem Kinderbuch bereits die Kleinen an diese Problematik heran. Sie vermittelt, dass es wichtig ist, die vorgefertigten Meinungen, die beinahe jeder in sich trägt, zu erkennen und zu revidieren. Nur so kann man in einer Gemeinschaft leben und dem anderen aufrichtig eine Chance zur Integration geben. Auf spielerische Art und innerhalb einer für Kinder nachvollziehbaren Situation entwickelt die Autorin ein Szenario, das den kleinen Lesern (und vielleicht auch den erwachsenen Vorlesern) ebenjene Werte und Erkenntnisse nahebringen soll.

Um die Botschaft ihres Buches zu verdeutlichen, bedient sich die Autorin einer besonderen Illustrationstechnik. Die Protagonisten wurden aus Steinen, Filz und vielen weiteren Materialien hergestellt, fotografiert und mithilfe eines Bildbearbeitungsprogramms zum Leuchten gebracht. Bewusst wurde ein schwarzer Hintergrund gewählt, der die einzelnen Figuren zusätzlich hervorhebt und in den Mittelpunkt rückt.

Der Autorin ist ein Buch gelungen, das sowohl in der pädagogischen Arbeit als auch zum Vorlesen zu Hause bestens geeignet ist. Denn je früher Kindern vermittelt wird, dass anders zu sein niemals bedeutet, schlechter und weniger wertvoll zu sein, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Vorurteile gar nicht erst entstehen können.

Bibliografische Angaben:
Julia Lüthi
Aali Aal im Kindergarten
ISBN: 978-3-86196-731-6
Hardcover, 44 Seiten, 18,90 Euro

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Zu Hause ist, wo man geliebt wird

Verena Zanner aus München präsentiert Kinderbuch über obdachlosen Hund, doch die Geschichte lässt sich übertragen.

Jedes Lebewesen braucht ein Heim, und das meint nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern in erster Linie jemanden, von dem man geliebt und umsorgt wird, eine „Familie“. Nicht alle Geschöpfe auf der Welt besitzen ein solches Glück. Einsam und hilflos müssen sie oft ihr Dasein fristen, sind unglücklich und sehen keine Perspektive für die Zukunft. Doch manchmal gibt es einen Hoffnungsschimmer und man begegnet jemandem, der das eigene Leben für immer verändert.

Ebendas widerfährt dem Hund Nino in Verena Zanners Bilderbuch. Obdachlos und einsam streunt er durch die Gegend, immer auf der Suche nach einem Zuhause. Beherzt spricht er die verschiedensten Gestalten an, die ihm begegnen, doch von allen wird er ausgelacht und verjagt. Niemand möchte ihn bei sich haben. Nino gibt jedoch nicht auf, er ist sich sicher, dass er ein Zuhause finden wird. Und als wäre es Schicksal, läuft ihm prompt ein freundlicher Eismann über den Weg, an dessen Fersen sich der verzweifelte Hund heftet. Am Ende zahlt sich die Hartnäckigkeit Ninos aus, er findet einen Menschen, dem er etwas bedeutet und der ihn bei sich aufnehmen will.

Ende gut, alles gut, könnte man meinen. Doch der Weg dorthin war steinig und gepflastert mit unzähligen Schwierigkeiten und Ablehnung. Schonungslos und hart zeichnet die Autorin die Reaktion der Figuren, die es ablehnen, Nino ein Heim anzubieten. So wie es in der Realität wohl auch wäre, bäte jemand vollkommen Fremdes um Zuneigung und Obdach. Verena Zanner plädiert auf diese Weise für mehr Verständnis, Mitgefühl und Herzensgüte, sind es doch oftmals nicht nur Hunde, die eines Freundes und eines Heims bedürfen, sondern bisweilen auch Menschen, die völlig allein und hilflos vor den Scherben ihres Lebens stehen.

Unterstrichen wird die Botschaft des Buches zudem durch die von der Autorin und Illustratorin bewusst verwendeten kräftigen, knallbunten Farben. Die Aufmerksamkeit der Leser wird auf die Figuren, ihre Wünsche und Handlungen gelenkt. Und weil die Zeichnungen beinahe schon zu intensiv leuchten, wird den Kleinen möglicherweise bewusst, dass die reale Welt auch ein wenig mehr Farbe, ein wenig mehr Mitgefühl und Liebe vertragen könnte.

Bibliografische Angaben:
Verena Zanner
Nino – Ein weiter Weg …
ISBN: 978-3-86196-737-8
Hardcover, 24 Seiten, 16,90 Euro

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Was ist wichtiger als gute Freunde?

Die Antwort darauf gibt Britta Kirsten aus Ennepetal in ihrem zweiten Kinderbuch über die Freundschaftsquelle

Und sie lautet: nichts! Mit Freunden lässt es sich lachen, Spaß haben, Abenteuer erleben, kuscheln, reden … Aber auch Dinge wie Probleme lösen oder traurig sein kann man zu zweit besser als alleine. Ein Freund hilft in jeder Lebenslage, er ist da, wenn man ihn braucht, und er akzeptiert einen genauso, wie man ist, mit allen Eigenheiten und Makeln.

Das sind die Werte, die eine wirklich gute Freundschaft ausmachen, und sie sind nicht leicht zu finden. Es sei denn, man stößt auf die Freundschaftsquelle in Britta Kirstens Büchern. Denn dort tummeln sich allerhand liebenswerte Geschöpfe, die mit ebendiesem Respekt füreinander leben, und zwar aus sich selbst heraus und ohne großartig darüber nachzudenken.

Fee Lix, Fee Lizitas, das Eichhörnchen Kuschel, die Spinne Mercedes und das Kaninchen Hasimir mit dem niedlichen Sprachfehler haben einander aufrichtig gern und genießen ihre Zeit zusammen. Jeden Tag erleben sie Abenteuer, treffen neue Freunde, die sie gern in ihren Kreis aufnehmen, und hören spannende Geschichten. Doch als ihnen Lilia, eine besondere Raupe mit einem goldenen Punkt auf dem Rücken, begegnet, werden die sonst so fröhlichen Gesellen mit etwas konfrontiert, das ihnen bis dahin völlig unbekannt war: der Trauer um einen verlorenen Freund.

Der Autorin Britta Kirsten ist mit ihrem zweiten Kinderbuch über Fee Lix, Fee Lizitas und ihre Freunde etwas ganz Außerordentliches gelungen: Sie schafft es nicht nur, den kleinen Lesern Unbeschwertheit, Fröhlichkeit und die Bedeutung von Freundschaft zu vermitteln, sondern auch ein sehr ernstes Thema respektvoll und angemessen kindgerecht einzuarbeiten. Der Verlust einer nahestehenden Person ist schmerzlich und hat stets unvorhersehbare Auswirkungen auf das eigene Leben. Gerade Kinder begreifen solche Situationen anders als Erwachsene, deswegen ist es wichtig, ihnen das Thema auf rücksichtsvolle Weise nahezubringen und eine Geschichte wie die des goldenen Schmetterlings zu erzählen.

Eine Geschichte von Freundschaft, Verbundenheit, Lebensfreude, Abenteuern. Und zugleich von Trauer, Schmerz und Abschied. Denn auch diese negativen Gefühle sind gemeinsam mit den besten Freunden leichter zu ertragen als allein.

Bibliografische Angaben:
Britta Kirsten
Der goldene Schmetterling – Neue Abenteuer von Fee Lix und Fee Lizitas
ISBN: 978-3-86196-719-4
Hardcover, 76 Seiten, farbig illustriert von Bente Sommer, 13,90 Euro

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